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Lutherblock

Museum
fuer fake facts

 

 

 

 

LUTHERBLOCK

Block mit ck nicht mit g. (für Wormser nicht so einfach)

Wo heute jeder auf seinem Internetblog alle Themen seines Lebens weltweit veröffentlichen kann, hätte Luther sicher auch wieder etwas anderes gebraucht und gefunden um dieses mediale Dauerrauschen zu durchdringen.

 

Dieser als Block gestaltete Informations- und Erfrischungort bietet
neben einem Wasserspender auch 7 Schaukästen, in denen keine Andenken und Merchandising Produkte aus dem modernen Devotionalienhandel angeboten werden, sondern fiktive Fundstücke zu realen Geschichten.

 

Fiktive Fundstücke als das Gegenteil von Fake News,

wo zu realen Dingen irreale Geschichten erzählt werden.

Wir zeigen erdachte Objekte zu wirklichen Geschichten.

Fake objects zu Real Facts.

Ein Spiel mit Wahr-nehmung und Deutungen.

 

 

 

ABLASSKASTEN

 

„Sobald der Gülden im Becken klingt im huy die Seel im Himmel springt“

„Sobald das Geld im Kasten klingt,
die Seele in den Himmel springt.“

Dieser Werbeslogan des Johann Tetzel, den er sich zur Finanzierung der Posten-beschaffung des Albrecht von Brandenburg und für Baumaßnahmen in Rom aus-gedacht hatte, war so attraktiv, dass sogar Menschen aus Wittenberg in das Nachbarbistum gingen, um sich ihr Seelenheil zu erkaufen. Man konnte dort auch ohne persönliche Reue seine zeitlichen Sündenstrafen loswerden.

Für Luther brachte dies das Fass zum Überlaufen und er fasste eine bereits laufende theologische Situation über den Ablasshandel in einem Brief an seinen Bischof zusammen, dessen 95 Thesen dann mit den bekannten Auswirkungen später veröffentlicht wurden.

Das Bedürfnis sich durch Geld Schmerz-vermeidung oder auch Sicherheit, Ruhe, Frieden und ganz allgemein die Abwehr von Unannehmlichkeiten zu erwirken, scheint trotz Luthers Protest und seiner reformatorischen Lehre von der Rettung durch Gnade nicht merklich zurück-gegangen zu sein.

 

 

 

 

BIC

(besonders irrationale catastrophe)
Johanniterhof, Bischofshof und Haus zur Münze, all die Orte, an denen Luther während seines Aufenthaltes in Worms weilte, wurden im großen Brand von 1689 zerstört.„ . . . der Wahrhaftige(n) aber traurige(n) Erzählung, wie die uralte in Oberteutsch-land am Rhein gelegene weltberühmt gewesene Kayßerliche Reichs-Frey-Statt Wormbs,. . . den 31. Mai 1689 gäntzlich geplündert, beraubt, verheeret, zerstöret und zu einem entsetzlichen Stein- und Aschenhaufen gemacht worden . . ."

Aus diesem Bericht von Ratsmitglied J. F. Seidenbender wissen wir, dass es sich bei der Zerstörung von Worms und dem dadurch herbeigeführten Brand nicht nur um eine sogenannte "raison de guerre", sondern vielmehr um eine besonders irrationale catastrophe (bic) handelte.

Wie um diese These zu bestätigen, fanden wir bei Spaziergängen nahe der Feuer-wache dieses Feuerzeug französischer Provinienz, welches mutmaßlich bereits am Pfingstdienstag, dem 31.05.1689, kurz nach 16 Uhr die ersten Feuerzungen züngeln ließ und so ganz entgegen dem Pfingstfest die Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturen zu einer unterentwickelten militärischen Sprach-losigkeit reduzierte und Worms in einer fürchterlichen Feuersbrunst zerstörte.

 

 

 

DACHZIEGEL
„Wenn so viel Teufel zu Worms wären als Ziegel auf den Dächern, so wollt' ich hinein.“

mit diesen Worten soll sich Luther über die Warnungen von Freunden hinweg gesetzt haben, die in der Einladung zum Reichstag eine List sahen, um den zu dieser Zeit bereits sehr bekannten Mönch aus-zuschalten.

Der Teufel war für Luther eine greifbare Realität. Luther wäre also nicht überrascht gewesen, hätte er die Kratzspuren eines abgerutschten Teufels auf diesem Dach-ziegel selbst sehen können.

 

 

 

FLAKON
(Riechfläschchen)

Luthers Tischreden erscheinen uns heute als eine sehr direkte Aussprache von vermeintlich Unaussprechlichem. Das Gespräch über die mehr oder weniger charmanten olfaktorischen Äußerungen der Darmtätigkeit war zu Luthers Zeiten aber durchaus üblich. Er beschäftigte sich mit seiner Verdauung und äußerte sich in oft zitierten Sätzen wie:

„Warum rülpst und furzt ihr nicht? Hat es euch nicht geschmeckt?“

oder auch:

„Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“
( das würde heute wohl unter dem Slogan: „Furz for Fun“ vermarktet)

Auch die spirituelle Verbindung zwischen Verdauung und Vertreibung des Teufels war Thema in dem Ausspruch:

„Wie man den Teufel mit einem Furz verjagen kann“

Es ist uns gelungen, eine Kostprobe der charmanten Darmäußerungen in diesem Glas zu konservieren.

 

 

 

HINDURCH !

(Luthers Schweißtuch)

"Ich bin hindurch!“
Dieser von Zeitzeugen bestätigte Ausruf Luthers nach der Beendigung der Verhandlung vor Kaiser und Reich
und dem standhaften nicht Widerrufen seiner Veröffentlichungen ist durch ein weiteres fiktives Fundstück
aus der reichhaltigen Wormser Reichstagsgeschichte nun hier gezeigt:
Luthers Schweißtuch ist eine post-faktische Bestätigung für die körperliche Anstrengung
durch geistige Arbeit auf hohem moralischen Niveau.

 

 

 

OHRSTÖPSEL
Luther übernachtete vom 16.-26. April in Worms im Johanniterhof. Die Stadt hatte zur damaligen Zeit etwa 7000 Einwohner
und zum Reichstag kamen noch einmal doppelt so viele Besucher.
In dieser total überfüllten Stadt fand Luther (ganz ohne Internetbuchung)
lediglich ein Mehrbettzimmer, in dem noch zwei andere Männer wohnten.

Es gab viele Besucher, viele Gespräche, wenig Ruhe und die Vermutung,
dass diese Art Ohrstöpsel dem dialogbereiten Mönch wenigstens zu etwas
nächtlicher Ruhe in diesen unruhigen Zeiten verholfen haben.

 

 

 

STUNDENGLAS

Das Stundenglas als Zeichen für Zeit und Ewigkeit.
Als Luther am 17. April zum ersten Mal vor dem Kaiser stand, erbat er sich Bedenkzeit,
da es ja um große Fragen wie um das ewige Leben ging.
Es wurden ihm 24 Stunden Bedenkzeit gewährt,
in der er über seine schwere und folgenreiche Entscheidung nachdenken konnte.

Ohne Quarzuhr aber mit Quarzsand konnte Luther das Verrinnen der kostbaren Bedenkzeit verfolgen,
bevor er am 18. April 1521 vor Kaiser Karl V bekannte:

"Wenn ich nicht durch Schriftzeugnisse oder einen klaren Grund widerlegt werde – derweil allein dem Papst und den Konzilen glaube ich nicht, da es feststeht, dass sie häufig geirrt und sich auch selbst widersprochen haben -, so bin ich durch die von mir angeführten Schriftworte bezwungen. Und solange mein Gewissen durch die Worte Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es unsicher ist und die Seligkeit bedroht, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen."